Gone Baby Gone 9/10

Gone Baby Gone 9/10

Gone Baby Gone movie poster_finalIn einem ärmlichen Viertel Bostons wird die 4-jährige Amanda McCready entführt. Trotz riesigem Medienrummel und grossem polizeilichen Aufgebot tappen die Ermittler im Dunkeln.
Amandas Tante Bea setzt alle Hebel in Bewegung und beauftrag den Privatdetektiven Patrick Kenzie bei der Suche mitzuhelfen. An seiner Seite: Seine Freundin Angie.
Patricks Kontakte innerhalb des Quartiers bringen ihn schnell auf eine heisse Spur, doch viele Tatsachen eröffnen sich ihm erst auf den zweiten Blick. Letztendlich muss er eine wichtige Entscheidung treffen, die nicht nur sein Leben verändern könnte…

Jawohl, ich gebe zu, ich mag Ben Affleck. Nein, ich bin keine Frau und nein, seine Rolle in „Pearl Harbor“ hat mir auch nicht gefallen. Aber Regisseur Kevin Smith hat ihn mir mit seinen Filmen einfach sympathisch gemacht, unvergessen für mich seine charakterstarke schauspielerische Leistung in „Jersey Girl“ und vor allem „Chasing Amy“.
Jetzt wagt sich der Gute Ben erstmals auf den Regiestuhl – und das Resultat kann sich sehen lassen…

Die sich beinahe durch den ganzen Film ziehende „positive Welle“ hat ihren Ursprung mit Sicherheit in der klugen Story, welche in keinem Zeitpunkt ihre Glaubwürdigkeit verliert und sich wie ein roter Faden über die ganzen 114 Minuten zieht. Das Ganze ist sehr verständlich aufgebaut, bewegt sich in einem sehr ruhigen Rahmen, trotzdem bleibt stets ein bedrohlicher, traurig anmutender Eindruck. Getragen wird das Geschehen von Ben Afflecks kleinem Bruder Casey, dessen Leistung kein Vergleich zum in meinen Augen enttäuschenden „Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ ist. War sein Auftreten im besagten Western noch ziemlich verhalten, zieht er in Bruders Erstlingswerk sämtliche Register und überzeugt durch Ausdrucksstärke, Mimik und der Situation angepasster Präsenz. Waren seine Auftritte in „Ocean’s Eleven“ oder dem guten „The last Kiss“ noch in die Sparte „unter Ferner liefen“ einzustufen, bedeutet „Gone baby gone“ wohl seinen endgültigen Durchbruch in der Filmbranche – jedenfalls was meine Einstellung ihm gegenüber anbelangt.
Leicht enttäuschend allerdings der Part von Morgan Freeman, der an sich zu meinen favorisierten Darstellern gezählt werden kann. Irgendwie fehlte ihm der Drive, die Rolle des Polizeichefs nahm ich ihm nicht ab.
Natürlich gibt es auch noch andere Aspekte, die durchleuchtet werden sollten. Die gesamte Machart hat mich sehr überrascht. Kaum ein einziger neuzeitiger Kinofilm kommt ohne spezielle Effekte aus, überall hagelt es CGI, Explosionen, abenteuerliche Schnitte und kolossale Filmmusik. Ben Affleck bläst hier allerdings in ein völlig anderes Horn, er verzichtet fast gänzlich auf den Einsatz irgendwelcher künstlicher Stilmittel. Somit wirkt der Film sehr authentisch – wenn auch gewisse Schnitte ein wenig komisch wirkten, was allerdings auch an der dem Kino zur Verfügung stehender Filmrolle liegen könnte. Jedenfalls wähnt man sich beinahe in einem Theaterstück, alles wirkt so echt. Die aktuelle Thematik der Story tut hierbei ihr Übriges.

Einen negativen Aspekt konnte ich dann doch noch herausfiltern: Klar, wir befinden uns in einem Ghetto, klar, der Umgangston ist nicht unbedingt mit dem akustischen Verhalten von Opernballbesuchern zu vergleichen. Trotzdem stiess mir das ewige Rumgefluche irgendwann an den Ellbogen, da wäre ein bisschen weniger bestimmt mehr gewesen…

Worüber könnte man sonst noch reden? Kamera? Art Design? Kostüme? Nein, denn Ben Affleck hat hier eigentlich keinen Kinofilm gedreht, sondern eine Geschichte erzählt. Nackt, ohne Blümchen links, ohne Sternchen rechts, einfach nur eine nachdenklich stimmende Erzählung. Dass er auch das Ende nicht im Sinne der Hollywood-Knigge gestaltete, find ich ebenfalls sehr beachtlich.

Fazit: Irgendwie war alles so einfach, ohne Mahnfinger, nur zur Unterhaltung. Doch hinterliess „Gone baby gone“ bei mir doch einen bleibenden Eindruck und hat mich nachdenklich gestimmt. Der letzte Kinofilm, dem dieses Kunststück bei mir gelang, war „The Fountain“ – und das war ein Meisterwerk. Die Affleck-Fraktion ist nahe dran, wenn’s auch nicht ganz reichen mag.

Ich mag also Ben Affleck. Nun mag ich ihn noch mehr – und seinen Bruder gleich mit.

Eine klug erzählte, spannende Geschichte mit passender Besetzung. Ein Film, der wohl niemanden kalt lässt. Unbedingt sehenswert!

9von10

 

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