Montag, 12. Januar 2009
Un autre homme 4/10
| Titel: | Un autre homme |
| Produktionsjahr: | 2008 |
| Herstellungsland: | |
| Genre: | Drama |
| Regie: | Lionel Baier |
| Darsteller: | Robin Harsch, Natacha Koutchoumov, Elodie Weber |
| Laufzeit: | 90 Min. |
| Altersfreigabe: | ungeprüft |
| Kaufen: | Derzeit im Kino |
| Links: |
François zieht mit seiner Freundin Christine ins Vallée de Joux, einer abgelegenen Gegend im Kanton Waadt. Hier versucht sich der ehemalige Literaturstudent als Journalist für eine Regionalzeitung, verfasst Artikel über den Alltag der Einwohner sowie über die Filme, die im einzigen Kino im Tal zu sehen sind. Filmkritiken sind aber nicht sein Ding. Dreist entschliesst er sich, wortwörtlich die Artikel einer Pariser Fachzeitschrift für Filmkunst zu kopieren.
Schon bald aber wird das Kino zu François' Leidenschaft. Regelmässig fährt er nach Lausanne, wo er an den Vorführungen teilnimmt, die für alle Westschweizer Filmjournalisten organisiert werden. An einer solchen Vorführung lernt er die resolute Filmkritikerin Rosa kennen, die für die grosse Tageszeitung "L'Epoque" arbeitet. Eine leidenschaftliche Beziehung voller Machtspiele und Erotik entfacht zwischen den beiden. Doch wie lange kann François sein Plagiat verschweigen?
Freier Eintritt an eine Filmpremiere mit vorhergehendem Apéro und anschliessender Fragerunde mit Regie und Cast: Das klingt natürlich vielversprechend. Selbst dann, wenn es sich um einen Schweizer Film handelt - und ich der Verbindung Schweiz & Film immer sehr skeptisch gegenüber stehe…
Auf den ersten Blick wirkt alles recht nett. Französisch, komplett in schwarz-weiss, ruhige Einführung des Hauptcharakters, überall Schnee, er zündet sich ne Kippe an, er kriegt nen neuen Job - alles bestens. Doch bereits hier wirft der Film einige Fragen auf: Warum schwarz-weiss? Ein bisschen Farbe hätte dem Film gewiss nicht geschadet. Warum raucht der Hauptprotagonist eigentlich ständig? Bzw. - warum wird dieser Umstand dem Zuschauer ständig unter die Nase gerieben? Völlig unnötig und komplett nichtssagend. Möglicherweise ist der Hauptdarsteller ja Kettenraucher und konnte einfach nicht anders... Anyway, weiter im Text: Er kriegt nen neuen Job für eine regionale Zeitung, ok. Aber für gezählte 2'500 Eier pro Monat? Nee nee, nicht wirklich, oder? Da studierst du dein halbes Leben für ne Scheibe Toast undn' Ei? Da träumst du von!
Schon in der Anfangsphase sieht man also, woran der Film schwer krankt: Einerseits wirkt er an manchen Stellen etwas unglaubwürdig, andererseits ist er gefüllt mit den verschiedensten Stilmittel, die allerdings keinerlei Aussagekraft besitzen. Kurz: Viele Aspekte des Films sind schlicht sinnlos und bringen den Film nicht weiter. Er überfährt einen Fuchs und schmeisst das tote Tier ein paar Meter weiter im Wald in den Schnee. Toll. Grosses Kino. Was will uns diese Szene sagen? Egal. Style over Form.
Ganz ätzend wird es dann, wenn der Film nach gut einer Stunde in der Schmuddel-Ecke landet. Sorry, aber mit Erotik hat das Gezeigte wirklich nur bedingt zu tun. Ich fands eigentlich nahezu nur pervers - und mindestens genauso unnötig wie die erwähnte Tierkadaver-Wegwerferei.
Regisseur Baier hat aber nicht alles falsch gemacht. Der Cast beispielsweise ist recht gut gewählt und die Interpretation der Figuren weiss zu gefallen. Die Story um einen unerfahrenen Filmkritiker ist eigentlich auch recht lecker. Da hat's durchaus Fleisch am Knochen! Doch sobald die Leute in Lausanne mitten im angeblich bitterkalten Winter mit kurzen Shirts herumlaufen, geht halt wieder einiges an Glaubhaftigkeit flöten…
Der Schweizer Film hat noch immer sehr viel zu lernen. Die Idee, verschiedene Stilrichtungen in einen Film zu pflanzen ist nicht per se falsch - doch sollten solche Spielereien dann schon einen Sinn ergeben. Und ich goutiere halt auch nicht gleich jeden Tittenfilm. Und dem Hauptdarsteller ständig beim Rauchen zuschauen, zaubert einem Neo-Nichtraucher auf Dauer auch kein Lächern ins Gesicht.
"Un autre homme" ist ein schöner Schuss, der leider am Pfosten landet. Knapp daneben ist auch vorbei: Dieses Spiel landet in der unteren Mitte der Tabelle.
Ach ja, die abschliessende Fragerunde hab ich mir übrigens geschenkt - aus mangelndem Interesse diesem Film gegenüber…
Bemühter Versuch, dem Schweizer Kino endlich wieder ein Gesicht zu geben. Leider fällt der Film in seine Logiklöcher und ertrinkt an seinen zahllosen Stilmitteln. Weniger wäre mit Sicherheit mehr gewesen…



--------------------------------------------------------------------------------
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Diese Erklärung wurde vom User "Gergio" auf dem Forum von worldofmovies.net geschrieben. Mit freundlicher Genehmigung seinerseits wollte ich euch dieses Statement nicht vorenthalten!