Klingelt es bei Teil 1 in der Kasse, ist das Sequel nicht weit entfernt. Dieser Regel kam auch Regisseur Eli Roth nach, nachdem der in meinen Augen durchaus gelungene Schocker „Hostel“ beim Publikum relativ gut ankam, was sich vor allem in den DVD-Verkaufszahlen niederschlug.
Hat Eli Roth im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren das Kunststück geschafft, auch einen gelungenen zweiten Teil zu bieten? Leider nein.
Drei Studentinnen fahren im Rahmen eines Entspannungstrips in die Slowakei. Was die Guten aber nicht wissen: In der Slowakei werden Teenager verschleppt und für Geld reichen Sadisten angeboten, damit diese ihre abgründigsten Perversionen an den schuldlosen Jugendlichen auslassen können. Nach und nach wird unsere Dreiergruppe kleiner und kleiner, bis nur noch Beth übrig bleibt. Doch diese denkt überhaupt nicht daran, wehrlos unterzugehen, sie dreht den Spiess um...
Tja liebe Filmfreunde, kommt euch der Plot bekannt vor? Ja? Nun, das ist wenig überraschend, denn der zweifellos talentierte Eli Roth serviert uns hier eine beinahe 1:1 Kopie des Vorgängers. Echt jetzt, an gewissen Passagen im Film hab ich überlegt, ob Roth wohl das Script von „Hostel“ zur Hand nahm, mit nem Bleistift zwei, drei Sätze abgeändert hat, um dann hinter dem Titel mit zwei Strichen ein „II“ zu kritzeln. Der Hauptunterschied zu „Hostel“ liegt ganz klar in der Geschlechterverteilung: Wurden damals noch drei Jungs geschlachtet, dürfen nun die Mädels ins Gras beissen. Boah, wie originell! Ich bin mir echt nicht so sicher, ob Roth mit diesem Ergebnis zufrieden sein kann. Das müsste einem Regisseur im Herzen weh tun, wenn er merkt, dass sein Produkt eine einzige Geldmelkmaschine geworden ist... Dass Quentin Tarantino auch noch seinen Namen unter dieses Machwerk stampfen muss, würde ich jetzt als Eigentor bezeichnen. Solche Eigenkopiererei unterstützt du, Quentin? Schäm dich!
Ok, es gibt auch durchaus Positives zu berichten. Die Quälereien – die ja letztendlich der einzige Kaufgrund sein dürften – sind durchaus gelungen und vielleicht sogar einen Grad härter als im ersten Teil. Die Idee das Opfer noch unwissend dem Peiniger gegenüberzustellen fand ich auch nett. Der Look ist nach wie vor ziemlich bedrohlich, die Mädels noch immer sehr hübsch anzuschauen und die Schlachterei manchmal recht originell. Doch das war es dann leider mit der Herrlichkeit, knappe 20 der 95 Minuten haben es einigermassen in sich, der Rest ist – tut mir leid – himmeltrauriger Mist. Auch das Ende fand ich total debil, wo war die Inspiration, Eli? Ach ja, die ging wohl mit dem ersten Dollar, den „Hostel“ einbrachte, unter... What a pity!
Puh, Leute, bin ich enttäuscht! Teil 1 fand ich total cool – und jetzt dieses Trauerspiel. Ich habe lange überlegt, wie viele Punkte ich diesem Titel denn geben soll. Betrachtet man die komplette „Serie“ von „Hostel“ dann war das hier sehr schwach, sieht man den zweiten Teil als eigenständigen Film, kommt er irgendwie doch nahe an den ersten Teil ran! (Kein Wunder, wenn man praktisch alles gleich macht wie beim Vorgänger...)
Schwierig, schwierig, diese Entscheidung. Machen wir die Gleichung:
- Netter Gewaltgrad (an dieser Stelle möchte ich von der deutschen Fassung dringend abraten, die 7 Sekunden Zusatz auf der US-Unrated waren schon recht nett) - 1 Punkt
- Seichte Unterhaltung ohne viel Überlegen zu müssen - 1 Punkt
- Recht solide Machart (Kamera, Ton, Schauspieler, Sets) - 2 Punkte
ergibt ein Total von dann doch SEHR wohlwollenden 4/10 Punkten...
Immerhin musste ich bei der Inhaltsangabe nicht besonders viel schreiben, um nochmals einen netten Aspekt zu nennen. (Der aber natürlich punktlos bleibt...)
Eli Roth, der Shooting-Star unter den Horror-Regisseuren? Diese Hoffnung hat massiven Schaden genommen...