Mittwoch, 12. Dezember 2007
Atonement 6/10
| Titel: | Atonement - Abbitte |
| Produktionsjahr: | 2007 |
| Herstellungsland: | |
| Genre: | Drama |
| Regie: | Joe Wright |
| Darsteller: | Keira Knightley, James McAvoy, Romola Garai |
| Laufzeit: | 118 Min. |
| Altersfreigabe: | FSK 12 |
| Kaufen: | amazon.de |
| Links: |
London im Jahre 1935. Die 13-jährige Briony hat ihre Passion ganz dem Schreiben von Theaterstücken und Büchern gewidmet. Sie verliebt sich unverhofft in den Medizinstudenten Robbie, der seinerseits sein Herz an Brionys Schwester, Celine (recht überzeugend: Keira Knightley) verloren hat. Die Liaison zwischen Celine und Robbie intensiviert sich zunehmend wofür die junge Briony überhaupt kein Verständnis aufbringen kann. Von Trauer getrieben unterstellt sie Robbie die Vergewaltigung eines Mädchens, wofür dieser für mehrere Jahre ins Gefängnis muss.
Vier Jahre später. Robbie entschliesst sich als Alternative zum Gefängnis in den Krieg nach Frankreich zu ziehen. Kurz vor seinem Einsatz kreuzen sich seine und Celines Wege noch einmal – in ihnen entfacht ein neues Feuer und mit Herzen voller Hoffnung träumen beide wieder von einer gemeinsamen Zukunft. Briony ist inzwischen in einer Ausbildung zur Krankenpflegerin und wird ständig von Schuldgefühlen geplagt, ihr Gewissen hadert mit dem von ihr verursachten Chaos, vor vier Jahren. Es ist Zeit für sie, Abbitte zu leisten...
Buchverfilmungen sind immer so eine Sache: Ist das Buch eher durchschnittlich, wird es dem Regisseur schwer fallen einen spannenden Film auf die Beine zu stellen, ohne zu sehr von der Vorlage abzuweichen. Gutes Beispiel hierfür ist Robert Rodriguez Interpretation von „Sin City“ indem selbst die Dialoge 1:1 dem Original nachempfunden wurden. Und auch da zweifelten einige Kritiker am Inhalt der Komikverfilmung, die natürlich ebenfalls die gezeichneten Bände Frank Millers widerspiegelten.
Mit „Atonement“ haben wir einen weiteren Titel in der Reihe der Romanverfilmungen. Für die Adaption von Ian McEwan Bestseller stand Joe Wright Pate und hatte die schwierige Aufgabe, einen nicht ganz so leicht gestrickten Plot geschickt in beweglichen Bildern zu setzen.
Als Erstes muss ich anmerken, dass ich das Buch nicht kenne (wen wundert’s, habt ihr schon mal von mir gehört, ich hätte ein Buch gelesen?). Insofern liegt es mir natürlich fern, den Vergleich zwischen Romanvorlage und Verfilmung zu ziehen. Das überlasse ich dann doch lieber meinen Bücher verschlingenden Kritikerkollegen. Aber irgendwo bleibt ein Film einfach nur ein Film, ganz egal woher seine Grundidee stammt. Man muss vorausschicken, dass der Stoff der Geschichte kein Einfacher war, die Story mag sich vielleicht ziemlich simpel anhören, doch vielleicht ist es genau diese Einfachheit welche es so schwer macht, das Gezeigte glaubwürdig rüberzubringen. In meinen Augen haben wir es hier mit einer Art Theaterstück zu tun, unterteilt in drei Kapiteln. Und genau da liegt für mich auch der Hund begraben.
Das erste Drittel des Filmes bietet uns eingehende Blicke in das Leben der verschiedenen Protagonisten. Wright legt viel Wert darauf, dem Zuschauer die Story in den Mittelpunkt zu stellen und das Ganze an einem recht soliden Faden auszurichten. Geduldig erfährt man alle Hintergründe zu Brionys handeln. Ganz nett: Gewisse Szenen werden zuerst aus Sicht eines Protagonisten gezeigt – um dann die selbe Szene nochmals aus Sicht einer anderen Person darzustellen. Ein interessantes Stilmittel, das mir so eigentlich auch noch nie untergekommen ist. Dass diese Spielerei nicht zu oft eingesetzt wurde hat mir ebenfalls zugesagt, es hätte der wirklich originellen Idee seinen Zauber genommen. Alles in allem ein sehr ruhiger Aufbau der Geschichte, getragen vor allem von Saoirse Ronan die als Briony sehr überzeugend wirkte.
2. Akt. Wie in der Inhaltsangabe erwähnt verschlägt es hier den guten Robbie nach Frankreich in den Krieg. Und damit hatte ich so meine Probleme. Man mag mich einen Buchbanausen schimpfen, aber dieser Teil hat den Film einfach nicht vorwärts gebracht, er war der Story wirklich nicht von Nutzen. Beispielsweise sehen wir wie Robbie mit zwei anderen Soldaten am Strand ankommt, wo sich ein ganzes Heer von englischen Soldaten aufhält. Dann folgt eine geschätzte 10-Minütige Szene ohne jeglichen Schnitt, in der Robbie mit seinen Kameraden dem Strand entlangläuft. Ist ordentlich was los, in dieser Sequenz: Es wird gesungen, ein paar Soldaten streiten sich, andere erschiessen Pferde, dort liegen Verwundete, hier macht sich einer Sorgen, und und und. Das Ganze ist nett gedreht, ordentlich gespielt, doch wirkte es auf mich wie eine Selbstinszenierung des Regisseurs der dem Zuschauer einfach beweisen wollte, was er so auf dem Kasten hat. Ich habe mich während dieser Szene eigentlich nur gefragt, wann der gute Robbie denn endlich auf Tom Hanks treffen würde der ihn dann hätte fragen können, ob er einen gewissen „Private Ryan“ gesehen hätte...Der ganze Mittelteil des Filmes hat ein grosses Problem – er nützt der Geschichte fast nichts. Hier hat Wright ziemlich viel Pulver verschossen, für mich eindeutig zu viel.
Teil drei befasst sich dann vor allem mit der Auflösung der Geschichte, redet aber auch hier sehr lange um den heissen Brei. Dass der doch recht anspruchsvolle Plot dann so (keine Spoiler hier) aufgelöst wird, empfand ich fast schon als Witz. Ich meine, so ein Aufwand, solch grosse Mühen am Anfang – und dann ein solches Ende? Nö, hab ich nicht abgekauft. Man kann meinetwegen die Schuld geben, wem man will: Der Regie, dem Drehbuch, dem Roman, dem ignoranten Zuschauer (der da wäre: ich!) – aber den hab ich jetzt wirklich nicht geschluckt.
Ausnahmsweise werde ich nur ganz kurz auf andere Aspekte wie Musik (stimmig und passend), Schauspiel (solide, aber ohne Überraschungen) oder Kulisse (ordentlich – Kriegsszenario war allerdings etwas fad) eingehen, denn diese Punkte standen in diesem Film nun wirklich nicht im Vordergrund.
Ich hab schon wieder viel zu viel geschrieben, Zeit also für ein Fazit:
Berg- und Talfahrt, hier geben sich abwechselnd Gut und Böse das Zepter in die Hand. Ordentliche Aufmachung und gekonnte Regie driften ab Filmhälfte in eine gewisse Art Arroganz und wirken plötzlich mehr als Selbstwerbung denn als Film.
Trotzdem muss man sich um diesen Titel keine Sorgen machen, denn namhafte Kritiker haben das Ding schon derart in den Himmel gelobt, dass dem Titel der eine oder andere Award garantiert ist.
Durchzogener Film, durchzogene Wertung... Viel mehr als Durchschnitt war das nicht. Immerhin wird der Film sicherlich so erfolgreich sein, dass die gute Keira Knightly sich das eine oder andere Stück Brot wird leisten können – was leider immer noch bitternötig wäre.
Trackbacks
Trackback für spezifische URI dieses Eintrags
Keine Trackbacks


