Jack Foley (George Clooney) ist ein überaus erfolgreicher Bankräuber, der aufgrund einer Unachtsamkeit zum wiederholten Mal ins Gefängnis kommt. Da ihm die aufgebrummten 30 Jahre nicht sonderlich behagen wird fix ein Ausbruch geplant, bei dem sein Freund Buddy (Ving Rhames) als Fluchtfahrer dient. Die zufällig aufkreuzende Staatsagentin Karen Sisco (Jennifer Lopez) wird kurzerhand mit Foley zusammen in den Kofferraum gepackt, wo die beiden sich ein erstes Mal näher kommen...
Weihnachten 2007. Es gibt Geschenke, die ganz unverhofft Lust auf gewisse Filme erwecken, die man schon längst im Regal stehen hat und vor Jahren mal zu sehen bekam. Meine neue Nespresso-Maschine hatte eine solche Wirkung auf mich und drängte in mir das Bedürfnis auf, einen Film mit George Clooney zu sehen. Der mir durchaus positiv in Erinnerung schwebende „Out of Sight“ kam so zum zweiten Mal in meinen DVD-Player...

An sich haben wir es hier mit einem Gangsterfilm zu tun, der in seiner Art und Weise schon oft ähnlich zu sehen war. Wie heissen sie denn, all diese Badboys-Filme? „Snatch“, „Bube Dame König Gras“, „Matando Cabos“, „Nicotina“, „Pulp Fiction“, und und und. „Out of Sight“ reiht sich eigentlich wunderbar in die erwähnte Liste ein. Der Film ist weder sonderlich innovativ, noch riesig klever, weder grossartig inszeniert, noch besonders spannend. Doch was „Out of Sight“ trotzdem zu einem wahren Hingucker macht sind zum einen der hervorragende Cast, des weiteren der gesunde Humor der sich durch den ganzen Film zieht, die obligaten coolen Sprüche, sowie der extrem hohe Unterhaltungswert. Die Story folgt einem gut sichtbaren roten Faden der bis zum Ende nie abreisst und den Film somit sehr durchschaubar macht, ohne aber Langeweile aufkommen zu lassen. Getragen wird das ganze Spiel von einem hervorragend gelaunten George Clooney, der eigentlich nie zu meinen Lieblingen gehörte. Aber die Rolle des charmanten Gangsters der Frauenherzen durch reinen Blickkontakt zum schmelzen bringen kann kauft man ihm hier bedenkenlos ab, ich würde soweit gehen hier von einer Idealbesetzung zu sprechen. Die Gegenpartei fährt hier in Form von Jennifer Lopez auf, welche zwar solide spielt, nicht aber an das Niveau von Clooney heranzukommen vermag. Auch die weiteren Figuren sind gut getroffen, auch wenn ihnen der Wert im Vergleich zu den beiden Hauptdarstellern etwas abgeht.
Stilistisch gibt es weder grosse Mängel, noch beachtliche Experimente, auf spezielle Effekte wird gänzlich verzichtet und die ganze Kraft des Filmes auf die Schultern der Schauspieler verteilt. Diese Beschränkung auf das Wesentliche hat mir sehr zugesagt, es wurde nicht versucht irgendwelche Hänger durch wahnwitzige Stunts zu kaschieren.

Das alles klingt ja an sich nicht schlecht, doch kann sich „Out of Sight“ im Vergleich zur Gangster-Konkurrenz durchsetzen? Meines Erachtens ja, selbst wenn es nicht auf den filmischen Olymp reichen mag. Der kleine, aber feine Unterschied liegt wie so oft im Detail – es sind dies vor allem zwei Szenen, die mir extrem zusagten und mir in dieser Form noch nie vor die Augen kamen...
Achtung, Spoilerwarnung!

Das Treffen von Foley und Sisco im Hochhaus mitsamt dem tiefgehenden Gespräch hat mich enorm beeindruckt. Die sanfte, musikalische Untermalung dieser Szene passt wie die Faust aufs Auge und die beiden Stars laufen hier zur absoluten Höchstform auf. Eine sinnlicher, extrem cooler und stückweise sehr erotischer Abschnitt des Filmes der bei mir für Gänsehaut gesorgt hat, ich war wirklich hin und weg.

Weniger aufregend, dafür umso komischer die Szene gegen Ende des Filmes, als Foley vom etwas beschränkten White Boy Bob in Schach gehalten wird. Alles scheint gelaufen für Jack Foley, bis der besagte Bob die Treppe hochläuft, stolpert, dann hinfällt und sich selbst eine Kugel durch den Schädel jagt. Leute, im Ernst, etwas derartig Witziges ist mir selten vor die Glubscher gekommen, ich habe mich echt gekrümmt vor lachen! Die Idee, diese Situation auf solch eine Weise zu lösen ist für mich wirklich ganz grosses Kino, spendiert demjenigen, der diesen Einfall hatte bitte ein Bier – die Rechnung darf ruhig an mich gehen. Ich hau mich weg, echt jetzt...
Somit also zum Fazit!

„Out of Sight“ revolutioniert das Genre nicht, liegt aber im Direktvergleich klar über dem Durchschnitt. Die Dankesreden gehen hier an das gute Script, an die Storyline und nicht zuletzt auch an Clooney. Da schmeckt der Nespresso gleich nochmals ein bisschen besser, vielen Dank, George!