Selten wurde im Vorfeld eines Filmes ein derartiges Theater veranstaltet, wie bei Eli Roth’s neuem Horrorshocker „Hostel“. Natürlich war auch ich gespannt, ob das riesige Pushing des Streifens berechtigt war oder nicht. Da dieses Zückerchen es bei uns Schweizern aufgrund der angeblich untragbaren Gewalt nicht ins Kino geschafft hat, sah ich mich gezwungen auf die Unrated DVD zurückzugreifen. Vorweg: Es hat sich gelohnt...
Die Amerikaner Josh und Paxton reisen mit ihrem Isländischen Kumpel Oli quer durch Europa, immer auf der Suche nach willigen Mädchen und berauschenden Drogen. In Holland treffen sie in einer Herberge auf einen Typen, der ihnen einen nützlichen Tipp für die Reise mitgeben kann: In der Slowakei sollen sie sein, die besten und hemmungslosesten Girls Europas.
Die drei ziemlich notgeilen Abenteurer lassen sich nicht zweimal bitten und beschliessen, der guten Slowakei mal einen Besuch abzustatten. Dass sie dort neben den gefügigen Mädchen auch blutrünstige Perverse erwarten, konnten die Guten ja nicht ahnen...

Erstmal ein kleiner Aufruf an alle Leute, die behaupten, die drei Hauptdarsteller seien durch ihre Handlungen extrem unsympatisch: HÖRT DOCH AUF DIE MORALAPOSTEL ZU MIEMEN!
Ich finde eigentlich überhaupt nichts verwerfliches an den drei Typen – schliesslich würde ich an ihrer Stelle wohl genauso handeln. Ich meine, verdammt: Wenn solche Damen auf euch zuwatscheln und euch derartige Angebote unterbreiten, wer schlägt da nicht ein?!?!
Meiner Ansicht nach wollen diejenigen, die hier laut „Protest“ riefen von irgendwas ablenken... Aber genug von diesem Thema, mir waren die Drei auf alle Fälle sehr sympatisch.

Den Film kann man gut in zwei Hälften teilen: In den Ersten 45 Minuten wird der Film mehr oder weniger an die Folterkeller herangeführt, es wird eigentlich lediglich dargestellt, wie jungen Rucksacktouris überhaupt in diesen Schlamassel gelangen. Diese Heranführung fand ich sehr gelungen, das Gezeigte wurde unterhaltsam dargestellt und Langeweile kam zu keiner Zeit auf. Und JAWOHL, liebe Moralapostel, auch die Titten waren passabel und passten einfach zum dreckigen Flair des Films.
Die zweite Halbzeit war wie das Wenden einer Münze: Kein Vergleich zur anderen Seite. Fortan spielt die Gewalt die erste Geige. Es wird gebohrt, gehackt, gesägt, geschnitten, gebrannt, geschossen und geschlagen. Eli Roth zieht alle Register! So zieht sich die zweite Hälfte über 5 kurzweilige Minuten, die es wirklich in sich haben. Die teilweise unübersichtliche und dunkle Darstellung der Gewaltszenen fand ich genial, der Zuschauer wird animiert sich Einiges einfach selber denken zu müssen. Auch fallen die Gewaltszenen deutlich spärlicher aus als erwartet. Die wenigen jedoch sehr gezielten Brutalitäten verfehlen ihre erhoffte Wirkung aber trotzdem nicht: Der Film schockt.

Gewisse Szenen sind doch sehr hart, irgendwie konnte ich sogar begreifen, weshalb dieser Film in der Schweiz nicht im Kino zu sehen sein wird.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass sich Regisseur Eli Roth nach (dem meiner Meinung nach sehr guten) „Cabin Fever“ mit „Hostel“ nochmals deutlich hat steigern können. „Hostel“ sollte ein verstörender Horrorschocker werden – und genau das ist er auch geworden.
Ach ja, der Tourismusverein der Slowakei wird seine helle Freude haben! Amerikanische Touristen werden sie in nächster Zeit wohl kaum erwarten können...