Tsui Ting-Yins Karriere als Buchautorin steht auf dem Höhepunkt. Vor kurzem wurde erstmals eines ihrer Bücher verfilmt, dies mit bahnbrechendem Erfolg.
Ihr momentaner Arbeitstitel „Re-Cycle“ soll in übernatürlichen Sphären spielen, allerdings fehlt ihr irgendwie die Muse, ihr fehlen die Ideen. Doch je länger sie sich über „Re-Cycle“ Gedanken macht, desto mehr seltsame Dinge geschehen in ihrer Wohnung.Es scheint, als würden ihre geschriebenen Zeilen nach und nach zu ihrer Realität werden. Ehe sie verstehen kann, was hier vorgeht, findet sie sich in einer völlig neuen Welt wieder. Sie ist in ihrem „Re-Cycle“ gelandet – und hier wartet das Grauen...
Ich kenne die Arbeit der Pang Brüder aus zwei Filmen, zum einen dem sehr guten „Bangkok Dangerous“, zum anderen aus dem ruhigen, aber doch fesselndem „The Eye“. Durch diese Erfahrungen mit den Pang-Brothers und meiner Vorliebe für Digital aufbereitete Kulissen (z.B. Casshern), hab ich mich auf eine CGI-Horror-Bombe à la Silent Hill oder eben Casshern gefreut. Meiner Erwartung wurde der Streifen leider nicht gerecht...

Der Film beginnt sehr verhalten, die Einführung in den Charakter der Tsui Ting-Yin verläuft recht mühsam und schon nach kurzer Zeit macht sich ein kleiner Anflug von Langeweile breit. Mit Beginn der Zwischenfälle in der Wohnung der Buchautorin nimmt der Film langsam Fahrt auf, man kann es kaum erwarten dass die Reise in die Fantasiewelt losgeht. Optisch lässt diese dann wirklich nichts aus, die gesamte zweite Filmhälfte ist wundervoll animiert und überrascht mit teilweise wirklich guten Ideen. Weshalb allerdings die „Monster“ dieser Welt bloss ziemlich schlecht geschminkte Statisten sind, bleibt mir in diesem Fall ein grosses Rätsel. Das Potenzial wäre ja vorhanden gewesen, schade um die ansonsten wirklich grossartigen CGI-Effekte.

Womit wir zum eigentlichen Problem des Films kommen – die Story. Der Aufwand der zu Beginn des Filmes in den Hauptcharakter gesteckt wird deckt sich niemals mit dem aus meiner Sicht sehr dürftigen Ende. Da wird aufgebaut und aufgebaut – aber leider viel zu wenig daraus geschöpft. Nicht dass die Story irgendwelche Lücken hätte, nein, der rote Faden hat hier einfach zuwenig Fleisch am Knochen. Es scheint, als wäre die ganze Fantasie in die Kulisse geflossen, die Story bleibt zweitrangig.

Meine Erwartungen basierten wie gesagt auf optischen Leckerbissen aus „Casshern“ oder storytechnischen Finessen eines Silent Hill“, dann vergleichen wir doch mal!
„Re-Cycle“ ist wirklich wunderbar animiert – allerdings erst ab Hälfte 2. Ausserdem hat man vergessen, auch die Figuren dieser Welt der Umwelt anzupassen. Aus diesem Zweikampf geht deshalb Casshern als Sieger vom Platz, da waren Aufwand und Ertrag schlicht näher beieinander. Ich bin ein erklärter „Silent Hill“-Anhänger – und da meine ich nicht die Games... Christophe Gans hat mich mit seiner Adaption regelrecht zugeschnürt, ich kam aus meiner Begeisterung kaum raus. Mein Eindruck eines geschichtlich ähnlich aufgebauten „Re-Cycle“ ist seit Absatz 4 ja bekannt.
Zusammenfassend kann man bei „Re-Cycle“ von einem soliden Grusler sprechen, der teilweise auf starken Computereffekten aufbaut. Dass ich da nicht löblichere Worte sprechen kann gurkt mich ein wenig, ich hätte wirklich mit mehr gerechnet. Vielleicht sollte ich in Zukunft meine oft erwähnten Erwartungen ein wenig runterschrauben...

Ich mache mich immer schwerer mit Bewertungen von solchen Filmen. Einerseits sind 6/10 fast zu wenig, Andererseits 7/10 fast zuviel. Mit Kommafünf-Wertungen will ich gar nicht erst anfangen. Was machen wir da? Im Zweifel für den Angeklagten - also 7/10.