Montag, 24. Mai 2010
Filmjahresliste 2010
Donnerstag, 25. Februar 2010
Love Exposure 10/10
| Titel: | Love Exposure |
| Produktionsjahr: | 2008 |
| Herstellungsland: | |
| Genre: | Drama, Liebe/Romantik |
| Regie: | Sion Sono |
| Darsteller: | Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando |
| Laufzeit: | 237 Min. |
| Altersfreigabe: | 16 |
| Kaufen: | amazon.de |
| Links: |
Yu ist eigentlich ein braver Schüler, der um die Aufmerksamkeit seines Priester-Vaters jedoch mit kleineren und größeren begangenen Sünden buhlt. Vor allem sexuelle Entgleisungen scheinen dem Vater Zuneigung zu entlocken. Als er bei einem seiner voyeuristischen Streifzüge auf seine große Liebe Yoko trifft, wird es kompliziert: Sie ist die Tochter der Affäre seines Vaters, die von nun an mit ihm unter einem Dach lebt. Als seine ganze neue Familie von einer wahnsinnigen Sekte gekidnappt wird, beginnt für Yu der große Kampf um seine Liebe.
Ich mag lange Filme, doch bei einer Laufzeit von sage und schreibe 237 Minuten werde auch ich skeptisch. Oftmals bringt ein derart optimistischer Zeitansatz lediglich Monotonie, Langeweile sowie beginnende Müdigkeitserscheinungen mit sich. Ist „Love Exposure“ also zu einem moderaten Schlafmittelchen verkommen? Die klare Antwort: Nein, ganz und gar nicht…
Inhaltlich gesehen, hat uns der japanische Regisseur Sion Sono mit Filmen wie „Suicide Club“ oder „Strange Circus“ schon das eine oder andere Mal ziemlich kalt erwischt. Dementsprechend durfte man auch beim hier besprochenen „Love Exposure“ ein recht skurriles Machwerk erwarten. Und siehe da, der Gute Sion Sono hält, was er verspricht.
Dem Zuschauer wird eine Story aufgetischt, die vor Ideenreichtum nur so trieft. Fast ständig überschlagen sich die Ereignisse, allerdings ohne dass der für diese Laufzeit enorm wichtige rote Faden verloren geht. Die in Kapiteln aufgebaute Geschichte wird immer wieder aus der Sicht von verschiedenen Charakteren erzählt. So lernt man die Figuren kennen, man lernt sie lieben, man lernt sie hassen. Und wenn die ersten 50 Minuten vergangen sind – wird der Filmtitel eingeblendet… Bemerkenswert.
So zieht „Love Exposure“ seine wundervolle Handlung von Höhepunkt zu Höhepunkt – und nach vier Stunden ist man traurig, dass alles schon vorbei ist…
Die Story ist höchst interessant, fantastisch erzählt und fesselnd aufgebaut. Ich bin schlichtweg begeistert!
Um die wahnsinnig anspruchsvollen Rollen der Hauptcharaktere über eine Laufzeit von vier Stunden überzeugend darzustellen, braucht es natürlich äusserst talentierte Schauspieler. Und auch in diesem Punkt hat Sion Sono nicht ins Klo gegriffen.
Eigentlich wurden sämtliche Rollen sehr überzeugend besetzt, allerdings stechen in diesem hochstehenden Cast dann doch zwei Namen heraus:
Takahiro Nishijima beweist in seiner Interpretation des Hauptprotagonisten „Yu“ eine grandiose Wandlungsfähigkeit. Zuerst der brave Kirchenjunge, dann der Grossmeister aller Perversen, und zum Ende noch der geistesgestörte Irre mit dem Samurai-Schwert. Wundervoll.
Was uns aber Hikari Mitsushima als „Yoko“ aufs Parkett zaubert, ist schlicht und ergreifend weltklasse. Einfach unglaublich, welche Präsenz die junge Schauspielerin in so ziemlich jeder Szene ausstrahlt. Und die Szene am Meer, über Yu kniend, die Bibel zitierend – ich bin sprachlos. Einfach…magisch. Und ach ja, by the way, verflucht ist die hübsch!!
Auf den technischen Teil möchte ich natürlich ebenfalls sehr gerne eingehen, selbst wenn es in diesem Punkt eher weniger zu erzählen gibt. Eigentlich verzichtet der Film weitgehend auf Spezialeffekte, und greift er zum Beispiel in Gewaltszenen doch in die Trickkiste, dann sieht das Ganze sehr ansprechend aus. Sehr hübsch gewählt sind die abwechslungsreichen Kulissen, Regisseur Sion Sono hat für seinen epischen Film ziemlich viele Schauplätze ausgewählt. Bei einer der hier gebotenen Film-Überzeit mit Sicherheit kein Fehler.
Besonders erwähnenswert ist der geniale Soundtrack. Je nach Situation wechselt die musikalische Untermalung von Pop zu Klassik, dann eine Prise Funk, und wenn es sein muss, gerne auch ne Prise Rock. „Love Exposure“ zieht auch hier alle Register.
Fazit: Ich mochte Sion Sonos Filme schon immer. So diente „Suicide Club“ gar als Einstiegsdroge in meine bis heute anhaltende Film-Manie. Doch mit „Love Exposure“ hat Sion Sono meine Erwartungen bei weitem übertroffen, ich bin tatsächlich hin und weg. Der Film fesselt von der ersten bis zur letzten Minute und packt den Zuschauer nicht selten auch bei seinen Gefühlen. Zweifelsohne fliesst „Love Exposure“ nicht im Mainstream mit, doch wer wissen will, was die Faszination „Film“ wirklich ausmacht, kommt eigentlich nicht an diesem Streifen vorbei. Eine wahre Perle für Cineasten.
Es ist ziemlich selten, dass ich einem Film die volle Punktzahl zuspreche. Doch wie könnte ich einem Film, der mich geballte vier Stunden aus den Socken gehauen hat, nicht die Krone aufsetzen? Ich kann es nicht. Und darum kann es für dieses Meisterwerk nur eine Wertung geben.
Und ich muss gestehen, ich bin mir nicht mehr so sicher, ob „Oldboy“ wirklich mein uneinholbarer Lieblingsfilm ist…
„Love Exposure“ ist wild, schräg, schrill und bunt. Teils romantisch, manchmal erotisch. Dann tieftraurig, dazu gespickt mit roher, blutiger Gewalt. Religiös, ja Sektenhaft. Und laut. Und schnell. Und vor allem: Ein beeindruckendes Meisterwerk.
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Samstag, 6. Februar 2010
Das schwarze Herz 7/10
| Titel: | Das schwarze Herz |
| Produktionsjahr: | 2009 |
| Herstellungsland: | |
| Genre: | Thriller, Drama |
| Regie: | Michael Cuesta |
| Darsteller: | Josh Lucas, Lena Headey, Brian Cox |
| Laufzeit: | 89 Min. |
| Altersfreigabe: | keine Jugendfreigabe |
| Kaufen: | amazon.de |
| Links: |
Terry ist alleinstehender Vater, der sich um seine zehnjährige Tochter kümmert während sich sein Körper von der kürzlich erfolgten Herztransplantation erholt. Das Spenderherz wird vom Körper gut angenommen, doch bald beginnen seltsame Dinge zu passieren! Das Herz birgt ein dunkles Geheimnis und führt ihn auf einen gefährlichen Rachefeldzug. Er muss das Rätsel lösen, doch die Zeit rennt ihm davon...
Ja, das Cover ist nett. Auch die teils blutigen Bilder auf der Rückseite, sie machen Lust auf mehr. Die Inhaltsangabe lässt auf einen durchaus spannenden, aber nicht allzu anspruchsvollen Film für Zwischendurch vermuten. Kann „Das schwarze Herz“ die erwähnten Erwartungen erfüllen? Die Antwort lautet wie so oft: Teilweise.
Die Handlung des Filmes liefert – wie erwartet – eher Durchschnittskost. Der Geschichte liegt zwar ein deutlich erkennbarer roter Faden zugrunde, allerdings wirkt dieser über weite Strecken ziemlich blass. Bis auf das teilweise etwas merkwürdige Verhalten einiger Protagonisten wird dem Zuschauer über weite Strecken wenig Überraschendes geboten. So ist die Story zwar im Kern solid, aber ohne besonderen Ambitionen nach oben. In gewissen Momenten wird versucht an der Härteschraube zu drehen, wobei es allerdings meistens beim Versuch bleibt: Der Film liefert keine schwere Kost.
An einem Punkt kann der Aspekt „Handlung“ dann aber doch punkten: Beim Ende. Die Pointe wird für einmal wirklich gut getroffen und passt wie die Faust aufs Auge. An dieser Stelle ein wohlverdientes „Bravo“!
Technisch gibt es wenig zu bemängeln. Die spärlich eingesetzten Spezialeffekte überzeugen, und wenn’s schwieriger wurde, hat man einfach gänzlich auf die Effekte verzichtet (Stichwort Zugszene). Das ist immer noch besser, als dem Zuschauer irgend nen Murks vor den Latz zu knallen. Der Rest ist eher Standard: Keine wilden Kamerafahrten, wenig Sounduntermalung, keine Schnitt-Spielereien… Dafür durchwegs solides, ehrliches Handwerk.
Beim Casting hat man ebenfalls keine überbordenden Fehler begangen. Die Darsteller erfüllen weitgehend ihre Aufgabe, auch wenn das Verhalten der Akteure wie erwähnt nicht immer ganz nachvollziehbar ist – doch dafür kann der Schauspieler ja nichts. Den Oskar wird wohl keiner kriegen, doch vor der goldenen Himbeere muss ebenfalls niemandem Angst und Bange werden.
Was soll ich sagen? Man merkt es mir an, ich war nicht gerade begeistert. Aber auch nicht entsetzt. Es ist eine Seltenheit, doch für einmal sind meine Erwartungen an das Produkt und das anschliessend gelieferte Resultat ziemlich deckend. „Das schwarze Herz“ ist Durchschnittsware, welche aber problemlos über 82 Minuten unterhalten kann. Man darf bloss ja nicht mehr erwarten…
Normalerweise gäbe es an dieser Stelle kein vernünftigeres Fazit als 6 Punkte, doch für das wirklich gelungene Ende möchte ich dann doch einen Zusatzpunkt vergeben – das Ende passt einfach!
Milder Psycho-Thriller ohne besonderen Stärken – und ohne erwähnenswerten Schwächen. Für „so nebenbei“.
Samstag, 9. Januar 2010
I sell the Dead 5/10

Das Filmjahr 2010 hat sehr enttäuschend angefangen, die Höchstwertung liegt momentan bei einer mageren Sieben (Election).
Diese negative Entwicklung wird auch durch den hier kurz erwähnten "I sell the Dead" beeinflusst.
Kaum Ideen, wenig überzeugende Effekte oder Masken, durchschnittliche Schauspieler und nerviger Score.
Tja, ich kann eigentlich nur abraten, wer aber diese Durchschnittskost trotzdem versuchen möchte, bitte sehr:
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Donnerstag, 31. Dezember 2009
Filmjahresliste 2009
Sonntag, 20. Dezember 2009
Secret Service(s) 7/10
Albert ist gerade frisch aus Frankreich nach Wien gezogen. Kaum genießt er einen kurzen Augenblick der Ruhe, schon klopft es an der Tür. Ein Blumenzusteller hat sich in der Adresse geirrt, und so bekommt Albert fälschlicherweise einen riesigen Blumenstrauß geliefert.
In diesem Moment erscheint Hildegard, eine Nachbarin, die auf einen Dienst der besonderen Art und Weise von der Agentur „Secret Service(s)" wartet. Noch bevor Albert sein Dilemma aufklären kann, wird er wortwörtlich gegen seinen Willen in Hildegards Wohnung hineingezogen.
Oh, schön, liebe Leser, ihr seit ja noch hier! Im Februar 2009 durftet Ihr die letzte, grosse Filmkritik auf filmorakel.ch lesen. Diese beinahe unentschuldbare Durststrecke findet nun dank Vlado Priborskys neustem Streich ihr langersehntes Ende… (hab Dank, Vlado!!)
Der sympatische Österreicher begeht in seiner mittlerweile vierten Regiearbeit neue Wege und versucht sich im knallharten Genre der Komödie - ein äusserst steiniger Pfad.
Es braucht jeweils ziemlich viel, um meinem Sinn für humorvolle Unterhaltung gerecht zu werden. Den meisten Komödien kann ich wirklich nicht sonderlich viel abgewinnen. Blödelfilm hier, Teenie-Komödie dort - der Markt wird mit solchen belang- und niveaulosem Mist regelrecht übersäht. Mit Priborskys Beitrag wird der grosse Kessel leider auch nicht essbar, aber immerhin stinkt er nicht mehr ganz so stark…
Ok, die Story ist MEGA-simpel, und nicht unbedingt mein Fall. Allerdings darf an dieser Stelle auch kein überdurchschnittlich anspruchsvoller "David Lynch"-Ableger erwartet werden - wir befinden uns hier in einer Komödie! Ein paar Gags zünden ganz gut, andere eher weniger. Unter dem Strich macht der Film in seinen 33 Minuten aber nicht besonders viele Fehler, der Unterhaltungswert passt.
Interessant wird's, wenn man den Film von seiner technischen Seite her betrachtet. Es macht richtig Spass, die priborskysche (oder ähnlich) Entwicklung über die Jahre hinweg zu beobachten. Wirkte sein Erstling "Valentins Tag" an gewissen Punkten noch relativ amateurhaft, sind die teilweise trickreichen Kameraspielereien in "Secret Service(s)" nahezu brilliant. Hochglanzoptik ohne Wackler, der Einbezug von vermeintlich einfachen Objekten wie Spiegel, der tolle Vorspann - "Secret Service(s)" schöpft mit der ganz grossen Kelle. Ich durfte bereits bei "Sophie" die beeindruckende Machart loben - und hier kommt nochmals eine Steigerung. Es wäre sehr spannend zu sehen, was Priborsky mit einem Millionenbudget anrichten würde…
Auch bei der Wahl der Schauspieler hat sich einiges getan. Die Akteure wirken sehr professionell und wurden wohl kaum einfach so mal schnell von der Strasse gekratzt. Schade ist aber, dass die Darstellung der Rollen über weite Strecken extrem überzogen ist. Das Overacting übersteigt meiner Meinung nach beinahe schon "Austin Powers"-Sphären! Das augenscheinliche Potenzial der Protagonisten wurde leider nicht passend ausgeschöpft. Ich mag den Spruch, vor allem weil er so oft wie die Faust auf's Auge passt: Weniger wäre mehr gewesen…
Was bleibt, nach 33 Minuten Vlado-Komik? Es bleibt ein lachendes Auge, für die grossartige Aufmachung und für die ehrliche Tapferkeit, sich in den tiefen Sumpf der Komödienunterhaltung zu wagen. Allerdings bleiben auf dem anderen Auge doch auch ein paar Tränen, für zweifelhaftes Schauspiel und fehlender Innovation auf der Storyebene. So schafft es "Secret Service(s)" nicht meinen persönlichen Lieblings-Priborsky ("Plan B") vom Thron zu stürzen, doch darf sich der talentierte Regisseur trotzdem über ein durchaus gelungenes Experiment freuen!
Vlado Priborsky hat zweifelsohne sein kommerziellstes Produkt auf die Leinwand gebracht - und ich bin schon sehr gespannt, wohin dieser neue Weg führen wird!
Inhaltlich simple, technisch äusserst hochwertige Kurz-Komödie aus dem Low-Budget Bereich mit ansehnlichem Unterhaltungswert.
Sonntag, 27. September 2009
X-Men Origins: Wolverine 7/10

Irgendwann muss es mit den Kritiken wieder los gehen! Und so gönne ich euch, meine treuen Leser, zum Neustart zumindest mal eine Kurzkritik - besser als nichts, oder...?
Und gleich zum Relaunch der Kritik-Sparte erwartet uns eine erste Überraschung: X-Men Origins: Wolverine ist entgegen aller Erwartung kein Rohrkrepierer geworden!! Irgendwie habe ich mir beim auf Hollywood-Blockbuster getrimmten, x-ten X-Men-Ableger gar nichts versprochen. Und ok, Story findet auch hier praktisch keine statt. Jedoch macht die toll inszenierte Action jeden Abend kurzweilig und hält problemlos über 107 Minuten bei Laune.
Dazu die passende Blu-Ray-Qualität, und fertig ist ein durchaus sehenswertes Filmerlebnis. Vielleicht muss es nicht direkt ein Kauf werden - über den Verleih darf man aber ohne Bedenken zugreifen!




